Entspannung im Tai-chi Taiji Chen-Stil

Was bedeutet Entspannung im Taijiquan (Tai-Chi)?

Entspannung gilt als eine der wichtigsten Grund-Eigenschaften im Taijiquan. Im Chinesischen spricht man hier eigentlich von Anforderungen und meint damit Voraussetzungen für eine vernünftige Körperarbeit. Häufig wird Entspannung allerdings zum alleinigen Zweck erklärt oder als einziges Ziel angesehen. Dadurch wird das Training dauerhaft falsch ausgerichtet. Denn Entspannung, Lösen oder auch das damit verbundene Sinken sind zwar Voraussetzungen für das Taijiquan, nicht aber alleinige Bewegungsziele. Zumindest gilt das für das Chen-Stil Taijiquan. Eine übermäßige Entspannung und ein übertriebenes Loslassen sind kämpferisch belanglos und können auch gesundheitlich betrachtet zu körperlichen Problemen führen. 

Der Anfang im Taijiquan - die ersten Stufen

Stufen und Level im Taijiquan (Tai-Chi)Man kann sich das Training als mehrstufigen Lernprozess(1) vorstellen. Im Chinesischen wird das eigentlich recht eindeutig erklärt: in der ersten Trainingsstufe sprechen wir über das Erlernen von Basis-Eigenschaften und von einer Grundstruktur bezüglich Körper- und Geistes-Haltung. In dieser ersten Stufe soll der Körper erstmal entspannt werden und die Muskulatur soll sich lockern. Dadurch kann die Körperhaltung über Korrekturen der Knochen-Struktur ganzheitlich neu ausgerichtet werden. Hier ist Entspannung also vollkommen richtig und notwendig für die weiteren Schritte. 

Auf dem zweiten Level entwickelt sich daraus eine Mobilisierung der Gelenke. Das heißt, durch den entspannten Grundtonus können die Muskeln sich frei bewegen und die Gelenke werden deblockiert. Im Chinesischen spricht man in der ersten Stufe von fangsong 放松 (Entspannung) und in der zweiten von linghuo 灵活 (Mobilisierung). Hier werden durch die großen Verlagerungen und Drehungen des Körpers ebenfalls große, also lange Kräfte möglich, auch klare Kräfte genannt, aber noch nicht die anwendungsorientierteren kleinen Kräfte. Diese ersten beiden Stufen und vornehmlich die erste prägen heutzutage oft das öffentliche Bild des Taijiquan. Langsame Bewegungen, locker und gelöst ausgeführt, vielleicht ab und an mal von einem langen Fauststoß durchbrochen. Deswegen bezuschussen Krankenkassen in Deutschland die Ausübung des Taijiquan und an dieser gesamten Praxis ist erstmal auch gar nichts falsch. 

Alles wird wie neu sein - die fortgeschrittenen Stufen

Wenn man Taijiquan jetzt aber nicht bloß als Entspannungsübung am Wochenende ausführen möchte (was ja völlig in Ordnung wäre!), sondern Interesse an Gongfu und echter Fertigkeit hat, dann reicht es nicht, entspannt und beweglich zu sein. Man muss die Entspannung und die Beweglichkeit der ersten beiden Trainingsstufen quasi transformieren.(2) 

Das passiert eigentlich im dritten Level, oder besser ausgedrückt auf der dritten Trainingsstufe. Hier geht es um xu fa 蓄发, dem Sammeln und Entladen, was vornehmlich die Gewebestruktur betrifft. Über die verbesserte Körperstruktur und über achsengerehte Bewegung können hier integrierte, ganzheitliche Kräfte generiert werden, die im Vergleich zu den Trainingsstufen vorher sehr viel kleiner und durch segmentierte Bewegungen im Körper erzeugt werden, weswegen man von "kleinen Kräften" spricht. Das meint nicht ihren Wirkungsgrad, sondern die Art ihrer Erzeugung. Bewegt man in der zweiten Stufe hauptsächlich die Gelenke, fängt man hier in dem fortgeschrittenen Rahmen an, sich schon sehr viel anspruchsvoller zu bewegen. Das Gewebe kann sammelnde und entladende Qualitäten annehmen. Das ist eine sehr spannende Trainingsstufe, in der vieles umgebaut wird und die einige Strukturen und Trainingsaspekte von vorher gefühlt "auf den Kopf" stellt. Sie wird auch nicht so häufig erreicht, um ehrlich zu sein, was schade ist, denn sie ist wirklich sehr interessant. 

Hier geht es nicht mehr nur um das Ausrichten von Körperstruktur, sondern vielmehr um das Bewegen aller Strukturen, auch den inneren. Differenziert man in den ersten beiden Stufen eher, so merkt man hier deutlich, wie alles miteinander zusammenhängt und integriert werden möchte. Das falsche Drehen der Hüfte beispielsweise oder der falsch gelöste Beckenboden können Zentrumsbewegungen blockieren und so weiter. Man baut hier auf der guten Basis-Arbeit der ersten Stufen auf. Diese dritte Stufe kann man auch nicht mehr so einfach wie vorher die Körperstruktur korrigieren und als Lehrer herstellen, man kann sie zeigen, in kleinen Gruppen oder im Eins zu Eins, auf Seminaren sind diese Inhalte kaum mehr zu vermitteln, zu fein und individuell ist diese Stufe. Die ersten beiden Stufen sind recht standardisiert vermittelbar, nicht mehr aber die dritte.

Die fünf Level oder Trainingsstufen im Gongfu - es geht immer weiter 

Aus dieser dritten Stufe und durch das Sammeln und Entladen entstehen dann schüttelnde, vibrierende Kräfte, tandou 弹抖 genannt, wie auf dem untigen Video beispielsweise deutlich zu sehen. Dieses wird auf der vierten Stufe, in der es vornehmlich um innere Aspekte (neigong 内功) und dem Füllen des Bewegungs-Rahmens geht, und dann der fünften Stufe deutlich. Die Kräfte werden hier noch einmal feiner, weshalb man sie dann "versteckte Kräfte" nennt. Man kann hier dann weitere Schritte vollziehen, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte. 

Insgesamt findet auf dem ganzen Taiji-Weg eigentlich ein Transformationsprozess von Entspannung und Kraft statt. Hiermit ist also kein Training gemeint im Sinne von "im Taijiquan entspanne ich und danach mache ich noch ein paar Liegestütze für die Arme", sondern eine echte Transformation. Krafttraining kann diese ergänzen, verbessern oder auch verhindern, je nachdem. Das eigentliche Taijiquan-Training basiert aber auf der Transformation, auf der Wandlung des Gewebes, der Sehnen und Knochen, wie es in den alten Schriften heißt. 

 

Fußnoten:

(1) Mit den Trainingsstufen meine ich hier keinen völlig starren oder standardisierten Trainingsaufbau. Vielmehr geht es um das aufeinander abgestimmte Aneignen bestimmter Qualitäten, die größtenteils miteinander verknüpft sind. Hat meine eine Stufe erreicht, heißt das aber nicht, dass man die vorher bereits erlernten Stufen nie wieder trainiert. Man kann - je nach Trainingsziel - immer auf diese zurückgreifen. Ich werde in zukünftigen Artikeln wahrscheinlich noch mehr dazu schreiben.

(2) An dieser Stelle möchte ich kurz erwähnen, dass an den "Stufenwechseln" häufig Unklarheit entsteht, wie es mit dem Training weiter gehen kann. Daher hören hier vermehrt einige Praktizierende auf. An diesen Schwellen ist es als Lehrer/in notwendig, den Wechsel der für die nächsten Stufe notwendigen Qualitäten herauszustellen und den/die Schüler/in zu motivieren, die Komfort-Zone des vorherigen Levels zu verlassen.        

 

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